TV-Dokumentation
1×50 min dt. (ORF), 2026
Regie: Florian Höllerl
TV-Dokumentation
1×50 min dt. (ORF), 2026
Regie: Florian Höllerl
Spätestens seit den 1970er-Jahren haben hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher ein neues Lieblingsziel: die Strände der oberen Adria Italiens. Dort werden aus einstigen Fischerorten große Ferienzentren. Und in diesen entdecken die Touristinnen und Touristen neue Geschmäcker: Pasta, Pizza und Olivenöl. Die Österreicher fühlen sich so wohl, dass sogar die Innenpolitik im Sommer Wahlkampfauftritte zwischen Lignano und Jesolo unternimmt. Vergessen scheint die Zeit, in der sich Österreich und Italien gerade in dieser Region – am Unterlauf des Flusses Piave – feindlich gegenüberstanden. In Bibione oder „Tschesolo“, wie der Wiener gerne sagt, fühlen sich viele inzwischen fast wie daheim.
Seit den 1970er-Jahren wird eine neue Geschichte zwischen beiden Ländern geschrieben, die auch alte Gräben überwinden soll: das Risorgimento, die Grenzziehungen nach 1918 und 1945 – und nicht zuletzt die lange belastende Südtirol-Frage, die mit dem sogenannten „Autonomiepaket II“ in wesentlichen Punkten entschärft werden konnte. Fortan kümmern sich die Österreicherinnen und Österreicher bei der Fahrt über die Grenze eher darum, wie viele Nullen beim Umwechseln auf den Lire-Scheinen stehen – oder ob irgendwo gestreikt wird. Die große Geschichte zwischen den Ländern verbindet sich mit persönlichen Geschichten, die über Generationen weitergegeben werden.
Für die „Menschen & Mächte“-Dokumentation bricht die Schauspielerin Julia Cencig an die obere Adria auf, wo sie selbst viele Urlaube mit ihren Kindern verbracht hat. Doch ihre Reise wird auch zu einer Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte. Denn nicht nur Südtirol markiert eine lange offene Wunde zwischen Österreich und Italien. Auch das Kanaltal, die Region zwischen Tarvis und Pontebba, wo Karnische und Julische Alpen auf die Karawanken treffen, hat eine verdrängte Vergangenheit.
Cencigs Großvater sprach mit seiner österreichischen Frau Italienisch, seine Muttersprache war Slowenisch. Als er für die Wehrmacht fällt, beherrscht er die deutsche Sprache kaum. Raibl, eine alte Bergwerksgemeinde, die noch Spuren der Monarchie trägt, war stets von einem Nebeneinander verschiedener Sprachen geprägt – auch in jener Zeit, als Ettore Tolomei, der Schöpfer des Begriffs „Alto Adige“, den Ort bereits in „Cave del Predil“ umbenannt hatte.
An diesem Ort sucht Cencig nach den letzten Erinnerungen an ihre Familie – und an den Ort, an dem ihr Vater geboren wurde: ein Mensch, der seinen leiblichen Vater nie kennenlernen sollte, der aber später als Italienischlehrer die Sehnsucht nach Italien an seine Kinder weitergab.
Mit diesem familiären Gepäck begibt sich Julia Cencig erneut an die obere Adria. Sie trifft auf Familien, die seit Generationen vom Fischfang, von Hotels oder vom Strandbetrieb leben. Von den Einheimischen erfährt sie, wie die Österreicherinnen und Österreicher mit ihrer Sehnsucht an der Adria angekommen sind – und welche Folgen der Massentourismus für die Orte hat, die sich in der Nebensaison zunehmend in Geisterstädte verwandeln.
Regie
Florian Höllerl
Host
Julia Cencig
Kamera
Heinrich Lindmayr
Ferdinand Cibulka
Ton & Drohnenaufnahmen
Philipp Sklorz
Schnitt & Mastering
Lukas Priller
Sounddesign / Mischung
Emanoel Bruckmüller
Sprecherinnen / Sprecher
Matthias Euba
Julia Cencig
Gerald Heidegger
Florian Höllerl
Historisches Archiv ORF
Silvia Heimader
Kurt Schmutzer
Musikberatung ORF
Manfred Besta
Dank an
PromoTurismoFVG – www.turismofvg.it
Caorle IAT – www.caorle.eu
ENIT S.p.A. – www.enit.it/ www.italia.it
Postproduktionskoordination
Philipp Sklorz
Produktionsleitung
Eva Hödlmoser
Produzent
Michael Cencig
Produktion ORF
Gabriele Wistawel
Katia Rössner
Redaktion ORF
Gerald Heidegger
Gesamtleitung ORF
Tom Matzek
Eine Produktion von Metafilm Wien im Auftrag des ORF.
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